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Die Preussag (Grubenbetreiber) wollte den Grubenbetrieb schon 1987 beenden. Eine große Demonstration in Hannover mit 600 Beteiligten bewirkte beim damaligen Ministerpräsidenten Albrecht, hier wurden 19000 Unterschriften gegen die Schließung übergeben, eine Verschiebung der Stilllegung um fünf Jahre. 1992 war dann endgültig “Schicht im Schacht”. Für Bad Grund war das eine Katastrophe, den Verlust der Arbeitsplätze konnte man nicht auffangen.
Für alle Beteiligten war das Damals ein sehr trauriger und schwerer Marsch durch Bad Grund.
Ewige Nacht

Glück Auf

Ich bin über 16 Jahre in der Grube Hilfe Gottes beschäftigt gewesen. Diese Zeit war eine mit der Besten die ich hatte, die Arbeit als Hauer, wenn auch hart, hat mir sehr viel Spaß gemacht. Man stand immer wieder vor neuen Aufgaben, nie war eine Schicht wie die andere. Angefangen habe ich im Bergbau 1976 mit einer Lehre als Bergmechaniker, anschließend wurde ich als Hauer übernommen. Durch Lehrgänge und Schulungen bin ich dann 1981/82 als Schießhauer, Ortsältester und Drittelfführer weiter beschäftigt gewesen. 
Achenbachschacht
Hauptfördersohle war die 19. Sohle. Sie war verbunden mit den Achenbachschacht und der Wiemansbucht und erschließt darüber hinaus das Westfeld auf ca. 2 km Länge. Hier war die Sohle für Gleisfahrzeuge, und parallel dazu mir einer Betonfahrbahn für Lade und Förderfahrzeuge ausgebaut. Zu den Betriebspunkten fuhr man mit kleinen Geländefahrzeugen. In Schachtnähe war auch eine große Werkstat, die für Reparaturen aller Art ausgestattet war. Zwischen dem Ost- und Westfeld (Bunkeranlagen) wurde das Erz mit Akku-Lokomotiven zum Schacht gefördert. Dort in den 1000t fassenden Bunker gestürzt und von der Sub-Sohle mit einer voll automatischen Verladeanlage über Muldenwagen zu Tage gefördert. Erz wurde überwiegend in der 14. und 18. Firste des Westfeldes abgebaut. Im Ostfeld wurde die 15. Firste abgebaut. Die Abbaufelder waren nur über Rampen erreichbar. Die Erzförderung lief hier ausschließlich über Muldenkipper . Als Abbauverfahren hatte sich in den letzten Jahren ein altes System mit neuer Technick durchgesetzt. Der Firstenstoßbau mit Betonversatz. Der Beton wurde über Pumpen von Über Tage direkt in den abgebauten Strecken gepumpt. Gewonnen wurde das Erz durch Bohr- und Sprengarbeit. Das Haufwerk wurde mit großen Ladefahrzeugen zu den Erzrollen abgefördert.

Grubenfeld

Sohlen 6 Sohlen in Betrieb. Sohlenabstände rd. 50 m bzw. 60 m. Betriebsabteilung Bergwerkswohlfahrt rd. 40 m. Streckenquerschnitte 5m², 7,5m², 10 m², 12 m² und 18m². Zwischenförderung: 13. Sohle, ½ 15. Sohle und 14. Sohle. Hauptvördersohle: 19. Sohle, Teufe 653,13 m. Gesamtlänge des Streckennetzes ca. 26 KM. Vorrichtung Richtstrecken, Querschläge, Feldörter und Überhauen werden konventionell mit Bohr- und Schiessarbeit aufgefahren. Ladefahrzeuge: Eimco 911, Wagner HST1 ST2B, LF4. B ohrfgahrzeuge: Alimak / Paus mit Drucklufthammer AD 101 und Coronex E400. Abbau Verfahren Teilsohlenbruchbau, Teilsohlenbau mit Betonversatz, später Firtenstoßbau mit Pumpversatz. Gewinnung Schießen mit Sprengstoff Ammon-Gelit 3 und Andex 1 (ANC-Sprengstoff). Bohrwagen BUMD 141 mit Bohrhämmer Coronex E400. Ausbau im Abbau Eiserner Türstockausbau (Firstenstossbau und Teilsohlenbruchbau). Anker und Maschendraht bzw. Spezialausbaubleche. Später Türstockausbau aus Holz (Firstenstoßbau mit Pumpversatz) Streckenförderung Fahrdrahtlokomotiven 500 V Gleischstromm, (Zwischenförderung) mit Akkumulatoren Lokomotiven. Hauptstreckenförderung 19. Sohle sowie Zubringerförderung mit Sprechfung und Funkfernsteuerung ausgestattete Akku Lokomotiven. Förderwagen 500l Muldenwagen Euro-Palettenwagen (Sprenkstoff, Holz, Bleche, usw). 3000l Granby-Wagen(Zwieschenförderung). 1000l Muldenwagen (Schachtförderung) . 2000l Seitenentleerer (Versatz- und Bergeförderung) 600l Granby-Wagen (Hauptstreckenförderung). 7500l Muldenkipper (Erz- und Bergeförderung 20. und 21 Sohle). Sohlenförderung Bunkerrollen im Westfeld (13. – 19. Sohle). Bunkerrollen im Ostfeld (13. 19. Sohle sowie 17. – 19. Sohle). Bunkerrollen für Versatz (11. – 19. Sohle). Schachtförderung Achenbachschacht - Sub- 19. Sohle bis Hängebank Gestellförderung mit zwei 1000l Wagen nebeneinander auf dem unteren von zwei Tragböden. Fördergeschwindigkeit 6 m/s. Seilfahrt mit 28 Mann auf zwei Tragböden,später ausgebaut auf drei Tragböden mit 36 Mann. Automatisierter Füllort und Hängebankbetrieb. Wasserhaltung Zwei automatisch gesteuerte Hauptwasserhaltungen - 13. Sohle Hilfe Gottes am Achenbachschacht und 18. Sohle Bergerkswohfahrt am Wiemannsbuchtschacht. Eine Hilfswasserhaltung 19. Sohle Achenbachschacht. Die Wasserhaltungen heben die Grubenwasser zum Ernst-August-Stollen (Teufe am Achenbachschacht 140m). Wasserzuflüsse: 13. Sohle ca. 2100 m3 min, 18. Sohle ca. 400 m3 min. Wetterführung Zwei einziehende Schächte: Achenbachschacht und Wiemannsbuchtschaht. Zwei ausziehende Schächte: Knesebeckschacht mit einen Radiallüfter, 2700 m3, 75 KW, 75mm WS und Westschacht mir einen Axiallüfter, 3000 m3 , 200KW, 330mm WS. Betriebswasser Aus der Innerste über Schultestollen, Eichelberger Wasserlauf und kommunizierende Röhre, 11 m3 min. Elektrische Energie Strom wird aus dem Oberharzer Netz mit Einspeisung von PREAG und Kraft- und Wasserwirtschaft Clausthal bezogen. 20 KV Einspeisung (PREAG) auf Hilfe Gottes. 15 KV Eispeisung (KWC) am Wiemannsbuchtschacht, Knesebeckschacht und Westschacht. Die eigene Stromerzeugung aus einem Wasserkraftwerk (Ernst-August-Stollen-Niveau, 140 m Gefälle) mit 520 KVA Leistung wird in das Werksnetz eingespeist. Elektrifizierung des Grubenbetriebes mit 15 KV/ 500/220V. Später wurde die eigene Stromerzeugung eingestellt. Druckluft Hydrokompressoren im Wiemannsbuchtschacht und Knesebeckschacht. Verhältnis Wasser : Luft (Nm3): 1,5 : 1. Mechanische Kompressoren. 1 GHH-Schraubenverdichter, 1 DEMAG-Schraubenverdichter, 1 DEMAG- Rotationskolbenkompressor. Kapazität 14.000 Nm3 /h. Druckluft unter Tage: 6 atü. Tagesschächte Zum Erzbergwerk Bad Grund gehörten vier Tagesschächte. Der Hauptförderschacht des Bergwerks war der Achenbachschacht auf der Grube Hilfe Gottes. Hier war die Erzförderung, die Seilfahrt und der Materialtanzport. Der Wiemannsbuchtschacht, im Felde Bergwerkswohlfahrt, förderte die Aus- und Vorrichtungsberge der Grube zu Tage. West- und Knesebeckschacht waren mit leistungsstarken Ventilatoren ausgestattet und dienten als Abwetterschächte. Das Grubenfeld erstreckt sich rund 6 Km von Osten nach Westen und ca. 1,5 Km von Norden nach Süden.

Zahlen & Fakten

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